Aktuell (2020): Die „Tarantel“ und die Folgen – Satire im Kalten Krieg

Gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur erstellen wir eine interaktive multimediale Website über die Tarantel und das Schicksal einiger ihrer Verteiler.

Die Tarantel war ein Satire-Magazin, das von 1950 bis 1961 erschien, in Westberlin gedruckt und – hochgradig illegal – von Freiwilligen in der DDR verteilt wurde.

Die Tarantel war stets voller Kritik am System, an der sowjetischen Übermacht und an der Versorgungslage. Aus der Sicht des Staatsapparates war die Redaktion eine staatsfeindliche „Spionagezentrale“, die „Hetzmaterialien“ verbreitete. Besitz und Vertrieb der Tarantelwurde in der DDR deshalb streng bestraft; wegen „Boykotthetze“ wurden hohe Haftstrafen verhängt.

Nicht zuletzt aus diesen Gründen hieß es mit hintergründigem Humor in jeder Ausgabe: „Preis: unbezahlbar“.

Wir möchten dem Lebensweg des jungen Friedhelm Thiedig folgen, der sich 1952 als neu immatrikulierter Geologiestudent in Halle der Tarantel-Widerstandsgruppe anschloss und kurze Zeit später verraten und verhaftet wurde. Nach Verbüßung seiner Haftstrafe in Torgau gelang ihm die Flucht in den Westen. Heute lebt der 87-Jährige als emeritierter hoch angesehener Geologie-Professor in der Nähe von Hamburg.


Prof. Thiedig
über seine Verhaftung
im April 1952



Bestandteil dieser interaktiven multimedialen Website sind zum einen Zeitzeugeninterviews von mehr als 5 Stunden Länge, zum anderen die digitalisierten Tarantel-Hefte.

Das Projekt hat das Ziel, die Risiken aufzuzeigen, denen man sich in der frühen DDR aussetzte, wenn man auch nur einfache Formen zivilen Ungehorsams praktizierte wie etwa das Verteilen einer Satirezeitschrift, und die drakonischen repressiven Antworten des DDR-Staatsapparats zu dokumentieren und ins Bewusstsein zu rufen, dass Satire eine zivile Widerstandsform sein kann. Durch die Beschäftigung mit der ‑ heute weitgehend unbekannten ‑ Satire-Zeitschrift Tarantel möchten wir einen kleinen Beitrag zur Erinnerungskultur leisten.


Die Titelseiten
der ersten 12 Ausgaben